25 Jahre angerostetes Bodensee Ticket
Der Bodensee ist Europas Herz; ein Ort, an dem Deutschland, Österreich, die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein zusammenwachsen. Seit 25 Jahren existiert das Bodensee Ticket, das genau diese Einheit auf der Schiene und dem Wasser (Fähre Friedrichshafen–Romanshorn) abbilden soll. Die Grundidee ist fantastisch: Ein Ticket, vier Länder. Doch zum Jubiläum des Tickets mischen sich auch kritische Töne in die Feierlaune.
Ist das Tarifmodell noch zeitgemäß?
Zu teuer, zu umständlich, zu starr?
Wer heute den See umrunden möchte, merkt bald: Mobilität hat ihren Preis. Eine Tageskarte für alle Zonen kostet für Erwachsene stolze 46,00 € (bzw. 47,00 CHF). In Zeiten sinkender Kaufkraft und des Erfolgsmodells „Deutschlandticket“ wirkt das Bodensee Ticket wie ein Relikt aus einer anderen Ära.

Zwar erhellt ein Lichtblick die Situation; wer eine Anschlusslösung (wie ein Abo im angrenzenden Verbund) besitzt, erhält 25 % Rabatt. Doch das Grundproblem bleibt bestehen: Der Tarif-Dschungel.
Das Wirrwarr der Gästekarten
In fast jeder Gemeinde rund um den See kochen die Tourismusverbände ihr eigenes Süppchen. Unzählige lokale Gästekarten bestehen (VHB Gästekarte, Echt Bodensee Card, OSKAR, etc.), die teilweise den ÖPNV inkludieren, teilweise nicht. Für jeden Touristen führt das zu einem unübersichtlichen Gästekarten-Wirrwarr.
Wozu braucht es Insellösungen, statt einer mutigen, einheitlichen Lösung für die gesamte Region?
Weshalb ist die Hürde für den „einfachen Gast“ so hoch?
Die Kalkulations-Lücke: Vorbild Österreich
Ein Blick über die Grenze nach Österreich zeigt, was möglich ist. Rechnet man dort ein Jahresticket für den ÖPNV auf den Tag herunter, landet man bei etwa 1,10 € pro Tag. Das Bodensee Ticket hingegen kalkuliert in ganz anderen Sphären.
Es stellt sich die Frage der Kalkulationsgrundlage: Wird hier versucht, mit jedem Ticket den vollen Deckungsgrad zu erreichen, anstatt Mobilität als Infrastruktur-Investition zu sehen? Aber Mobilität ist das Rückgrat des Tourismus. Jeder Tourist, der seine Gemeinde verlässt, sorgt für lokale Einnahmen in der Gastronomie, im Einzelhandel und bei den Attraktionen. Begegnung und Erlebnisse sind der Motor der Region – und dieser Motor braucht einen günstigen Treibstoff.
Kapazitäten: Ein Scheinargument?
Oft wird argumentiert, dass die Preise hoch bleiben müssen, um die knappen Kapazitäten zu steuern. Doch ist das ehrlich? Wenn eine hohe Nachfrage gegeben ist, weshalb werden dann nicht konsequent Kapazitäten aufgebaut? Wer die Verkehrswende möchte, darf Engpässe nicht verwalten, sondern sollte sie beseitigen. Stattdessen passiert das Gegenteil. Linien und Züge werden gestrichen.
Fazit: Mut zu neuen Preisen
Wir brauchen mehr Mut für attraktive Tarife. Möchten wir wirklich, dass der Bodensee eine Modellregion für europäische Mobilität bleibt, sollte das Bodensee Ticket unbedingt radikal vereinfacht und günstiger werden. Idealerweise sollte das Ticket direkt in sämtliche Gästekarten integriert werden; dies würde eine Tageskarte zu einem einheitlichen Preis ergeben, (möglicherweise in Höhe von 20 Euro). Dadurch dürfte alles reibungslos ineinandergreifen, anstatt einen Flickenteppich zu hinterlassen!
Tourismus ist ein Lebenselixier, und jeder Gast sollte sich die Fahrt um den See leisten können, ohne vorher ein Studium der Tarifkunde absolvieren zu müssen. 25 Jahre ist zwar ein stolzes Alter, aber jetzt ist es an der Zeit für eine Verjüngungskur.


