Die Krux mit den Gästekarten

Ich bin im Schwarzwald unterwegs und übernachte in Kappelrodeck. Die Unterkunft übergibt mir eine Konus Gästekarte. Diese beinhaltet einen kostenlosen Zugang zum öffentlichen Verkehr:

Webseite zur Konus Gästekarte

Offiziell sind damit keine Vergünstigungen für gewisse Dienstleistungen vorgesehen. Allerdings erhält man eine Ermäßigung auf den Eintritt des Nationalpark Museums sowie einen Rabatt auf eine Weinprobe beim Winzer.

Doch wirklich entschlossen propagiert wird die Konus Karte nicht. Auf den Hotel-Buchungsseiten ist hinsichtlich Anreisen mit öffentlichem Verkehr kein Hinweis darüber vermerkt. Überdies muss die Konus Karten jeder Gastgeber per Post zusenden, denn es besteht keine elektronische Version. 

Für die Attraktionen im Schwarzwald wird die Schwarzwaldkarte verkauft: 

Informationen zur Schwarzwald Card

Wie sieht die Zukunft der Konus Karte aus? Die Vereinbarung dazu treffen die Gemeinden gemeinsam mit Schwarzwaldtourismus. Einige Gemeinden beteiligen sich nicht daran, so beispielsweise Achern. Wann wird die Konus Karte elektronisch angelegt? Weshalb führt die Konus Karte ein Mauerblümchen-Dasein?

Weshalb erfordert es eine bestimmte Zahl an Übernachtungen in Gemeinden, um an diesem Angebot teilnehmen zu können. Muss wirklich immer inklusive Kurtaxe abgerechnet werden? Wieso nur werben für die Konus Karte so wenige Hotels? Auf der FESPO in Zürich kam zwischen den Ausstellern des Schwarzwald-Standes und gegenüber Besuchern kein Wort über Konus auf. Sowohl in einem Hotel in Villingen als auch in Freiburg erhielt ich keine Konus Karte. Umso mehr braucht es also das DeutschlandTicket.

Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch hinsichtlich anderer Gästekarten. Alle machen sie einen Anreiz zugunsten des öffentlichen Verkehrs aus und sind eine prima Sache. Reisen Gäste mit dem Auto an, bevorzugen auch sie ab und zu öffentliche Verkehrsmittel. Nur bräuchte es dazu auch mehr Bereitschaft von Gastgebern, den öffentlichen Verkehr zu unterstützen.  

Die Links innerhalb der Absätze mit Text führen zu den entsprechenden Orten und Gebieten auf der Weltkarte.

Meistens funktioniert die Bahn

Manch laute Schimpftiraden gegen die Bahn bringen nichts, solche sind auch unbegründet. Denn meistens funktioniert die Bahn. Trotz Einsatzbereitschaft zu diesem Thema, fehlt mir die Leidenschaft, mich noch vielseitiger als bisher für verbesserten Bahnservice einzusetzen; beziehungsweise „für Optimierungen Einstehen, ja“, aber ohne meinerseits zunehmend aktiven Kampf darum.

Von relevantem Vorteil wäre es allerdings, die Deutsch Bahn würde einen Schienenersatzverkehr arrangieren. Auch ihre Ansagen sollten nahtlos funktionieren, und hinsichtlich Reklamationen sollte in deren Richtlinien mehr Kulanz eingebunden werden.

Eine Reise vom 5. bis 7. Februar 2024 führte mich nach Kappelrodeck. Bei dieser Gelegenheit schoss ich ein paar Bilder von der Bahn. Züge wie Bahnhöfe sind sauber. „Gute Seelen“ kümmern sich darum. 

Ein Musiker spielt etwas Gitarre am Perron und erleichtert die Zugwartezeiten. Ein und aus laufen die Züge meistens mit fünf Minuten Verspätung, schuldig sind vorausfahrende Züge. Sollte der Begriff Pünktlichkeit umdefiniert werden? Dortzulande schon. 

Musiker Publikum in Offenburg
Musiker und sein Publikum

Meine Fahrten mit dem DeutschlandTicket klappten ausgezeichnet. Ich scheiterte aber am öffentlichen Verkehr in Achern, der für die Stadtbehörden nicht existiert, wie mir Bürger erzählten.
Davon handelt folgender Beitrag;

Ländlicher Raum – warum wollt ihr denn nicht? 

Während meiner Reisen habe ich festgestellt, dass der öffentliche Verkehr in den Gemeinden dringend überarbeitet werden sollte. Es scheint, als ob gerade dort Stillstand herrscht. Ich habe so gehofft, dass meine schöne Heimatstadt Selb eine Ausnahme wäre. Leider ist die Situation für Reisende dort sehr verwirrend: unklare Fahrpläne, wenige regelmäßige Verbindungen, alles scheint auf den Schulverkehr ausgerichtet zu sein. Beim Einsteigen bilden sich lange Schlangen, jeder muss sein Ticket vorweisen. Es scheint, dass es kein effektives Controlling gibt, da die Kommunen die Aufträge vergeben.

Ein Busunternehmer hat mich an das Landratsamt weitergeleitet und mir den dort zuständigen Mitarbeiter genannt. Leider sind meine E-Mails unbeantwortet geblieben, und ein geplantes Telefongespräch ist nie zustande gekommen. Jedes Mal, wenn ich noch heute dort anrufe, ist der besagte Mitarbeiter in einer Besprechung, und Rückrufe bleiben aus.

Seit einem Jahrzehnt setze ich mich in Selb für Veränderungen ein, doch bisher scheint sich wenig zu bewegen.

Taxis spielen eine zunehmende Rolle als Rufbusse, mit festen Bestellzeiten und -orten sowie zusätzlichen Kosten für Abos.

Statt nur die Bahn zu kritisieren, sollten wir auch oder besonders den öffentlichen Verkehr in ländlichen Gebieten genauer betrachten, wo noch beachtliches Verbesserungspotenzial besteht. Es scheint, dass mehr Leidenschaft und Diskussionen notwendig sind, um den öffentlichen Verkehr effektiver zu gestalten, unabhängig vom Schulverkehr.

Freiwillige wie in Butjadingen oder Ideen zu Mitfahrgelegenheiten wie in Spalt könnten Wege eröffnen, um den öffentlichen Verkehr zu stärken und zu bereichern:

Es ist wichtig, dass solche Maßnahmen vorgelebt werden. Mitarbeiter im öffentlichen Dienst könnten hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Manche Bürgermeister haben ein Dienstauto mit Chauffeur, einer von ihnen könnte gut einen Bürger mitnehmen und so neue Blickwinkel kennenlernen.

Es wird auch oft über Geld diskutiert, aber die Mittel werden häufig ebenso ohne Debatte ausgegeben. Ich sehe wirklich nur wenige Pläne, um den öffentlichen Verkehr zu verbessern. Aber eine Überarbeitung und optimierte Fahrpläne könnten schnell umgesetzt werden.

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Die Links innerhalb der Absätze mit Text führen zu den entsprechenden Orten auf der Weltkarte.

Fahrgastinformation – Sache des Flughafens

Die S-Bahn ist aufgrund von Bauarbeiten außer Betrieb. In Stuttgart läuft gerade die CMT Messe, das kalte und schneereiche Wetter ist ideal für Reparaturen. Am Busbahnhof wird fälschlicherweise ein anderer Abfahrtsperron angezeigt als vorgesehen. Nun müssen die Wartenden halt zu einem anderen Bahnsteig gehen. Ein Mitarbeiter vor Ort erklärt, dass das Abfahrtsterminal vom Flughafen verwaltet wird, und sie keinen Einfluss auf die Anzeigetafeln haben.

Es kommt kein Bus rechtzeitig an. Verzweifelt versucht der Lokführer darüber Informationen zu erhalten. Schliesslich trifft unser Bus doch noch ein. Die Fahrt dauert wesentlich länger als geplant, es scheint, dass unser Busfahrer seine eigene Strecke nicht kennt und sich verirrt hat. Im Bus gibt es weder Anzeigen noch Hinweise. Wozu wurden hier überhaupt Lautsprecher installiert? Während der Fahrt wäre hier ein sachkundiger Begleiter äußerst hilfreich.

Dort wo wir schliesslich aussteigen ist kein Bahnhof zu sehen. Wir folgen der Meute zum nächsten Bus, denn einen direkten Bus nach Böblingen gibt es zur Zeit nicht, und der Zug war ja offiziell schon abgefahren.

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Zug wartet nicht auf Schienenersatzverkehr

Wer glaubt, dass ein Zug auch nur eine Minute auf den Schienenersatzverkehr warten muss, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Leider erklärte mir ein Mitreisender, dass dem Erstgenannten so sei. Ich konnte es kaum glauben, ja fast eine Stunde musste er auf den nächsten Zug warten, obwohl der Schienenersatzverkehr nur wenige Minuten Verspätung hatte. 

Er konnte seinen Anschluss gerade noch wegfahren sehen. “Haben Sie mal ein Bier? Ich zahle es auch.” „Schon gut,“ entgegne ich. „Hier am Bahnhof gibt’s nichts, keinen Wartesaal, zum Restaurant müsste ich 500 Meter laufen,“ bemerke ich noch. Und so etwas stimmt einfach ärgerlich.

“Wozu gibt es eine Leitstelle?“ Heute wüssten die doch dank GPS genau, wo der Bus steckt. „Aber da müssen plötzlich Fahrpläne eingehalten werden.” „Pünktlichkeit auf der Straße ist schwieriger als auf der Schiene einzuhalten,“ antworte ich ihm. 

Fragen über Fragen – und ein Lösungsansatz

Wie werden die Baustellen eingeplant? Wird dabei überhaupt an die Reisenden gedacht? Zumindest an Personal im ÖV wird gespart. Das Personal hätte und hat womöglich so oder so zu viel Ärger, weil ja jeder weiterkommen möchte.

Wichtig sind gute Schienennetze, doch wurde in den letzten Jahren mehr dezimiert als ausgebaut. Dadurch fehlen Alternativstrecken für Umleitungen. Wer mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, sieht an etlichen Orten Stillstand, verlassene Bahnhöfe, überwuchernde Gleise. Manchmal ist anzunehmen, dass Verantwortliche den Regionalverkehr zu einer Art „Deutsche Bus AG“ verwandeln möchten.   

Der Schaffner lässt die Leute im Regen stehen

Eine Brücke wurde von einem LKW demoliert. Die gesamte Strecke wird gesperrt. „Bitte alle aussteigen!“ Wie der Schienenersatzverkehr ab nun abgewickelt wird ist unbekannt. Nur ein Schaffner ist zu sehen, der aber schweigt. Alle verlassen den Zug, ohne zu wissen wie es weitergeht. Der besagte Bahnschaffner geht zu einem Taxi hin, verschwindet darin und fährt weg.

Ist Vielleicht seine Arbeitszeit zu Ende? Verspürt er vielleicht einfach keine Lust mehr? Zählt sein Verhalten vielleicht zu jenen Instrumenten und Richtlinien, die zur Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit beitragen sollen?

Die Reisenden scheinen ab nun kaum eine Rolle mehr zu spielen. „Die haben ja alle nur das DeutschlandTicket!“ Diese Worte scheinen höhnisch die Luft zu durchdringen. Irgendwann nimmt ein Linienbus alle gestrandeten Fahrgäste auf, und irgendwann erreichen sie ihr Ziel, und irgendwann ändert sich etwas.

Einen Schienenersatzverkehr zu organisieren, sollte immer möglich sein. Dazu müssten externe Busse organisiert werden, aber auch eine Durchsage, etwas Betreuung. Das sollte die Deutsche Bahn mit geringem Aufwand hinbekommen! 

Hier eine Geschichte aus Waldshut:


Unsicherheit mit Schienenersatzverkehr

Von Waldshut möchte ich nach Ulm reisen. Es fährt jedoch kein Zug, und es gibt keinen Hinweis dazu. Vom Busbahnhof aus gibt es einen Schienenersatzverkehr nach Erzingen. Der Schienenersatzverkehr nach Koblenz startet, und kurz darauf fährt der Bus nach Erzingen vor. Obwohl am Perron genügend Platz wäre, müssen alle Busse vorfahren.

Busbahnhof Waldshut, wohin fahren die Busse
Busbahnhof Waldshut

Ein Bus kommt, doch es ist nicht der Schienenersatzverkehr. Mit vier Minuten Verspätung kommt schließlich der richtige Bus, wir steigen ein und erreichen Erzingen ohne Probleme. Ein weiterer Bus fährt hinterher, es hat gut geklappt, aber die Informationsweitergabe könnte stark verbessert werden.

In Singen herrscht Chaos mit Bahnsteigwechseln. Zuerst müssen wir von Gleis 1 auf Gleis 2 wechseln, dann wieder zurück auf Gleis 1. Etwas Bewegung tut gut, aber besser wäre es ohne schweren Koffer. Ein kleiner Exkurs zu den Schaffnern: Sie sind sehr engagiert. Einer von ihnen erwischt Schwarzfahrer. Statt ein Bußgeld zu verhängen, steigt er mit ihnen am Zielbahnhof aus und lässt sie das Ticket am Automaten lösen. Erfahrungsgemäß haben bestimmte Personengruppen jedoch nie Geld. Dennoch gibt es dank des DeutschlandTickets weniger Schwarzfahrer, da sich viele für ihre langen Reisen jetzt doch ein Ticket leisten können.


Unterbrochen in Wüsterwitz – Name ist Programm

Wüsterwitz – die Begebenheit mit Null Organisation beim Schienenersatzverkehr bleibt unvergesslich. Meine Reise begann mit Ungewissheit: Würde der Zug in Magdeburg überhaupt losfahren? Die Anzeigetafel versprach immerhin eine pünktliche Abfahrt Richtung Brandenburg, und damit schien mein Ziel, Potsdam, in greifbarer Nähe. Die Alternative, ein langer Umweg über Stendal brauchte es nicht. Doch wie so oft im Bahnverkehr kam es anders.

In Wüsterwitz war plötzlich Schluss. Der Zug endete. Der Lokführer verweist auf „unregelmäßigen Schienenersatzverkehr“ – was im Klartext bedeutete, dass es schlichtweg keinen gab. Taxis? Fehlanzeige, im Umkreis nur 1 Unternehmen. Die wenigen Reisenden am Bahnsteig standen verloren herum, der Linienbus wäre überfüllt. Drei Busse gibt es am Tag, und der nächste Bus in anderthalb Stunden. Betreuung oder Informationen? Nicht in bei der Deutschen Bahn.

Gerade als Resignation einsetzte, blitzte eine Hoffnung auf. Die Bahn-App meldete, dass der Zug doch wieder fahren würde. Alle strömten zum Gleis 2. Die Anzeigetafel zeigte tatsächlich die richtige Verbindung. Doch zwei Minuten vor der Abfahrt die nächste Überraschung: Gleiswechsel. Jetzt Gleis 1. Der Zug rollte schließlich ein, als wäre nichts gewesen.

Doch eins bleibt: Kaum Informationen. Die Fahrt ging weiter, die Fahrgäste lässt man stranden, kein Personal. Ein Witz der Bahn in Wüsterwitz.

Fahrgastrechte – toll oder?

Während meiner ersten Reise mit dem DeutschlandTicket erlebte ich an vier Tagen hintereinander Verspätungen von jeweils mehr als einer Stunde: In Rosenheim wegen (echtem) Polizeieinsatz, in München wegen Zugausfall, und so ging es munter weiter. Nie eine Information über „wann, wie, wo und was“.

Es gibt ja die Fahrgastrechte: „Eine IC nehmen, um pünktlich anzukommen? Pustekuchen! Und maximal Euro 1,50 pro Reise. Alle Verspätungen zusammengenommen, da liegt Gewisses auf der Hand…“

Daher füllte ich „die Fahrgastrechte“ aus, fünf Euro macht hier der Mindestbetrag aus. Ich füllte vier Anträge für vier verschiedene Fahrten aus und erhielt eine Absage. Daraus war zu entnehmen, dass nur eine meiner Anträge bearbeitet wurde.

Erneut erlebte ich zwei Verspätungen im Januar 2024, wo ich ebenso chancenlos intervenierte. Auf einer meiner vier Ausfahrten im Februar 2024 erlebte ich eine 60-minütige Verspätung und konnte nichts unternehmen.

Was sind das für Fahrgastrechte? Meiner Ansicht nach hinsichtlich des DeutschlandTickets Schikanen. Solche Gegebenheiten zeigen den Stellenwert von Fahrgästen deutlich auf.