Wieder einmal eine schöne Fahrt

Wunderbar klappte es mit dem DeutschlandTicket! Ich reiste von der Schweizer Grenze bis nach Lüneburg – die Züge pünktlich, jene Zugausfälle mangels Lokführer verpasste ich glücklicherweise. Als ich unterwegs war, waren die Züge und Bahnsteige auch nicht prallvoll.

Die Bahn sollte nun dringend mehr Zugführer und Gleisarbeiter finden. Dies erfordert gute Arbeitsbedingungen, welche die GDL auch erfolgreich erkämpfte, das allerdings leider auch auf Kosten vieler Pendler, die früh Morgens dringend mit der Bahn zur Arbeit fahren mussten und aufgrund der GDL-Proteste steckenblieben oder nicht einmal zu ihren Arbeitsstellen gelangten.

Immerhin sind nun jene erkämpften Arbeitsbedingungen gegeben, um die nötige Anzahl an Personal finden zu können. Ich hoffe, dies wird bald einmal zutreffen. Die Bahn benötigt auch anhand anderer Kriterien zufriedene Kunden und ein positives Image. Kämpft das Bahn-Management selber ebenso dafür?

Im lokalen Busverkehr war wieder ausreichend Platz, die Bevölkerung nutzt diesen allerdings relativ selten. Wiederholt kam mir mittels geschriebenen Stellen der Wunsch nach mehr Engagement auf: Wann klappt es mit dem Taktfahrplan? Wieso fehlen Darstellungen von Streckennetzen an den Haltestellen?

Gern bin ich mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs, allein schon, weil er auf heutige Herausforderungen ökologisch-verträglich antwortet. Dies erfordert aber auch das entsprechende Engagement jedes Einzelnen. Doch bestätigte einmal ein Mitarbeiter in einem Parteibüro im Autoland Deutschland ein hohes Desinteresse zum Thema Umwelt. Wie oft, intensiv und wie lange währt noch Desinteresse hinsichtlich ökologischem Engagement?

Angenehmes Reisen mit dem DeutschlandTicket

Die Webseite zum DeutschlandTicket gründete ich, weil ich meiner Verärgerung Luft machen mochte. Wer die Pendlerzeiten meidet und seine Strecken von Montag bis Donnerstag und Samstags wahrnimmt, findet meist einfach einen freien Platz. Mittlerweile konnte ich viele schöne Reisen unternehmen.
Alle beschreibe ich hier;

Während der Fahrt nach Gunzenhausen mit Ausgangspunkt Fränkisches Seenland trifft man in den Zügen „DB Regio“, „Agilis“ und „Go Ahead“ auf ausnahmslos pünktliche Züge, freundliches Personal und Sauberkeit. Aber Deutschland gilt immer noch als Autoland, und eine Bewusstseinsänderung hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs käme uns allen letzten Endes gelegen.

Der Schritt mit günstigem Tarif für Deutschland geht in die richtige Richtung. Auch die kleineren Kommunen sollten sich überlegen, ausschließlich Fahrpreise für den Stadtverkehr abzuschaffen. Denn allzu oft fahren dortige Busse leer, so beispielsweise jene im Halbstundentakt in Gunzenhausen; auch finden in solchen Örtchen nur selten Abendangebote statt, und zu Fuss, via Rad oder Fahrdienst erreicht man darinnen bald einmal das angestrebte Ziel. 

Frankfurt an der Oder – wo bleibt die Deutsche Bahn?

Während meines Besuchs an der ITB Berlin entschied ich mich für eine Reise nach Frankfurt an der Oder und nutzte dazu die bequeme Zugverbindung der ODEG, die Berlin und Frankfurt an der Oder direkt verbindet. Diese Verbindung eröffnet Frankfurtern den Zugang zur dynamischen Metropole Berlin und bietet Berlinern die Möglichkeit, die naturschöne Spree-Oder-Landschaft zu erkunden und in Polen grenzüberschreitend einzukaufen.

Das DeutschlandTicket erweist sich dabei als ideal, da es die Nutzung beider Verkehrsverbünde ermöglicht und sich als kostengünstiger erweist als das Monatsticket für Frankfurt an der Oder allein.

Allerdings stieß ich am Bahnhof Frankfurt an der Oder auf eine Einschränkung: Anstelle eines Reisezentrums gibt es dort lediglich ein Kundencenter der lokalen Verkehrsbetriebe, dessen Personal zu Hilfestellungen bei Reklamationen und Fragen zur Deutschen Bahn nur unzureichend befähigt wurde. Überdies verkauft der DB Store am Bahnhof lediglich Lebensmittel, und die wenigen Informationen auf Polnisch sind dünn gesät. 

Eine Beantragung des DeutschlandTickets gestaltet sich ebenfalls umständlich, einen Antrag und danach mindestens zehn Tage Bearbeitungszeit benötigt es. Ein No-Go für die Bedürfnisse der meisten Touristen.

Obwohl die Stadt Frankfurt an der Oder verkehrstechnisch gut angebunden ist, bleiben Fragen zur Erschließung der umliegenden Gebiete offen. Selbstverständlich stellt sich die Frage, wozu die komplizierte und kostspielige Tarifstruktur der Stadt beibehalten wurde.

Es scheint, als gäbe es Verbesserungspotenzial, insbesondere hinsichtlich der Fahrpreise für Einzelfahrten, die als zu hoch empfunden werden. Auch ein Gespräch mit einem Busfahrer offenbarte, dass die Kosten für den Ticketverkauf hoch sind, aber der Kostendeckungsbeitrag tief ist. Die Vorbehalte, dass der Aspekt „Ticketverkauf“ nur ein Kostenfaktor von mehreren sei, sind kaum nachvollziehbar und stören. “Ich engagiere mich hier demnach für die Bürger.”

Wünschenswert wäre, wenn die Regionen die Möglichkeiten, die das DeutschlandTicket bietet, besser ausschöpfen würden, indem sie hohe Preise und komplizierte Antragsverfahren vermeiden. Zudem sollten alle Verkehrsbetriebe, einschließlich der Deutschen Bahn, gemeinsame Ziele verfolgen, insbesondere ein gutes Verkehrsangebot für alle Bürger.

Beschwerderitis während den Reisen

Beschwerden können helfen, Schwachstellen aufzudecken und den Service zu optimieren. Google macht es einem leicht, etwas zu beanstanden.
Doch kommt so etwas bei den Ansprechpersonen an?

Egal, ob Steckdosen funktionieren

Ich fahre mit dem Regionalexpress RB und möchte mein Smartphone laden. Keine Steckdose im Abteil funktioniert. Mein Versuch in einem anderen Abteil klappt schliesslich. 

Ich möchte dieses Defizit melden. „Nur wo?“ Der Kontrolleur passiert mich bald. Bevor mich der Schaffner erreicht, unterhalte ich mich mit einem in einem anderen Abteil hockenden Fahrgast, bin aber rechtzeitig auf dem Weg zurück zur Kontrolle und möchte dem Schaffner dabei gleich mein Anliegen vermitteln, was diesen aber gar nicht interessiert.“ Stattdessen schnauzt er mich an; „wenn ich Sie nochmals im Gang stehen sehe, schmeiß ich sie aus dem Zug.“

„Kann ich den ernst nehmen? Nein. Ich sollte sein Auftreten nicht ernst nehmen, bin aber auch nicht der introvertierte Mister Spock von Enterprise mit Asperger-Merkmalen und daher fassungslos. Einerseits kann jeder mal einen schlechten Tag haben und andere dabei herabsetzen. Anderseits ist mir die unfeine Umgangsform des Schaffners doch zu viel und sollte in solch einer beruflichen Anstellung nicht vorkommen.“

Jedenfalls bin ich perplex, möchte aber noch ganz kurz mein Gespräch zu Ende führen. Jener Fahrgast, der auch mein Gesprächspartner ist, erhebt beruflich zufällig Fahrgastdaten. Diese Daten werden zur Abrechnung mit dem Bundesland gebraucht.

Nochmals werde ich vom Schaffner aufgefordert, mich sofort zu setzen. Indes stehen auch andere Fahrgäste länger, beziehungsweise in Ausgangsbereichen der Abteile. Ausgiebig Platz wäre aber ebenso im Fahrgastraum, wo eben ich stehe. „Mich beschweren? Das lass ich mal schön sein. Denn dafür verwende ich diesmal sicher nicht noch Zeit mit Telefonaten und dabei meine übrige Energie verschwendend.“

Beschweren, bringt das was?

Im nächsten Zug erzählt mir eine Dame von hilfsbereiten Mitarbeitern. Diese würden doch bestraft werden, wenn sich andere Mitarbeiter so unverschämt verhalten. „Also mich doch beschweren!“

Ich rufe beim zuständigen Regionalverkehr an. Zwar mühsames Durchstellen mit nerviger Computerauswahl, doch meldet sich rascher als gedacht eine Mitarbeiterin und erklärt mir, hierfür sei die Deutsche Bahn verantwortlich. „Telefonnummer?“ Wisse sie nicht. Ich rufe die Servicenummer der Deutschen Bahn an; 030 2970. Ewige Computerauswahl und wieder niemand dafür zuständig. „Sie werden weiterverbunden,“ doch de facto wird das Telefonat abgebrochen.

Am nächsten Morgen wende ich mich an die Bahninformation München. Alle Schalter frei, scheint alles toll zu klappen. Ich bringe mein Anliegen vor. Zwischenzeitlich nennt mir der Schalterangestellte ständig irgendwelche Privatbahnen, um meiner Beschwerde auszuweichen und sie abzuwenden. Er braucht lange, bis er den fraglichen Zug ausfindig machen kann. „Hilft trotzdem nichts, zwei Möglichkeiten legt er mir nahe; „Formular oder…?“

Gleich nehme ich das Formular an, fülle es aus; Beschwerden über Personal unter “Sonstiges” zu finden. Ich schreibe „den Fall“ nieder. „Bitte lesen Sie durch, ob alles verständlich ist. Wir geben es nur weiter.“ Bin gespannt, wie die Antwort ausfällt. 

Formulare sind altbacken, funktionieren aber meiner Meinung nach immer noch am besten. Es hätte mich gefreut, wenn sich das nochmals ein Mitarbeiter angeschaut hätte, drei Schalter waren ja frei. Ich wünsche mir, dass Beschwerden als Chancen zur Verbesserung gesehen werden. „Von daher Mut zur Beschwerderitis!“

Kulantes Personal – Fehlanzeige

Aber auch die Privatbahnen, wie die Agilis, haben Schwierigkeiten mit ihrem Personal. Die müssen in den sauren Apfel beißen und dürfen ihre Misslaune nicht an den Reisenden auslassen.
Ein Beispiel hierzu:

Im Zug der Agilis von Arzberg nach Marktredwitz

Ich bin um 5:30h aufgestanden, das Smartphone leer, falsch eingesteckt, wurde nicht geladen. Eine kleine Beschwerde wegen meines Versäumnisses könnte ich allerdings mir gegenüber selbst schon hier anbringen… 30 Minuten Zeit bleibt noch, bis der Kollege aus Cheb zur Arbeit nach Arzberg fährt, lade kurz, in Arzberg am Bahnhof genügend Zeit, um weiter zu laden, doch wo?

Der Zug kommt pünktlich an, ich steige ein, stürme auf die Toilette, denn die Haltestelle Arzberg ist weder behindertenfreundlich, noch verfügt sie über ein WC. Die Kontrolleurin möchte kontrollieren, ich bitte Sie, darauf zu verzichten. Der Akku ist sonst leer, und in den Zügen nach Nürnberg fehlen Lademöglichkeiten, erkläre ich ihr. Ich nenne meine Webseite, möchte kurz eine Anmerkung über mein Projekt anbringen – sinnlos?
deutschlandticket.reisen/reisen

Es folgt eine kurze Diskussion, dabei fragend, wie die Agilis DeutschlandTickets verkauft. Das ist ihr sehr egal, sie möchte das Ticket sehen. Darauf entgegne ich etwas dreist – aber sie ist ja auch unfreundlich – dass ich nicht so gut mit meiner Arbeit bezahlt bin wie sie. Sie regt sich auf, das sei privat und droht wegen Beleidigung mit Polizei.

Nutzen von Beschwerden

Statt kundenfreundlich zu sein, empfinde ich manches Verhalten als pampig. Kein Interesse dafür, kurz über Vorteile des DeutschlandTicket von Agilis zu sprechen oder generell über den Tourismus in Nordbayern, scheint vorhanden zu sein.

Ein anderer Mitarbeiter der Deutschen Bahn im Zug war sehr freundlich, ich konnte das Smartphone in der 1. Klasse laden. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben, doch gegenüber Kunden zählt Freundlichkeit.

Der Kundendienst wäre meiner Ansicht nach verbesserungswürdig. Denn während meiner telefonischen Reklamation bat man mich, die Anfrage schriftlich einzureichen. Nur findet man auf der Webseite keine E-Mail-Adresse, auch mit dem Kontaktformular komme ich nicht zurecht, auf Facebook sind auch keine Beiträge möglich.

Die Antwort auf meine Reklamation zeigt eine Standardaussage: Reisende seien selber verantwortlich, ein gültiges Ticket zu haben. Die Schaffner hätten Ermessensspielraum. Ein bisschen Nachholbedarf hat in dieser Hinsicht sogar die vielgerühmte Schweizer Bundesbahn (SBB). Elektronische Tickets sind vor Abfahrt zu besorgen, selbst wenn dies noch 30 Sekunden über den Zeitpunkt der Abfahrt hinaus dauert, wird eine Busse fällig.

Lokführer unter den Rädern

DeutschlandTicket, volle Züge, vor allem, wenn auf der Strecke Züge ausfallen. Bei Fahrtbeginn war die Welt noch in Ordnung, rechts und links im Waggon Platz für Räder, ordentlich befestigt waren sie. Im sich allmählich füllenden Zug drängelten sich alle nach vorn, Kinderwagen, Rucksacktouristen wie Kofferreisende. 

Nun ein Rollstuhlfahrer entdeckte keinen Platz für sich und stellte sich in die Tür. Der Lokführer stürmte heraus, „gut ich helfe Ihnen.“ „Wem gehören die Räder? Die müssen raus, ein Rollstuhlgänger hat Vorrang.“

Eine Dame meldet sich, packt ihr Fahrrad, verlässt den Zug, kein Dankeschön, sondern unfreundliche Blicke. Weitere Radbesitzer melden sich nicht, der Lokführer packt ein Rad, wirft es auf den Bahnsteig. Das ist unmöglich, es muss doch andere Lösungen geben. Einige Reisende verlassen den Zug, das Rad bleibt liegen. Einige dürften hinten eingestiegen sein, und der Besitzer des rausgeschmissenen Fahrrads möchte lieber unerkannt bleiben. 

Der Rollstuhlfahrer ist allerdings zufrieden, drängelt sich hinein. Die Reisenden sind geschockt, der Lokführer meint, Rollstühle hätten immer Vorrang. Alles hätte anders vorfallen müssen, Platz hätte es genug gegeben. Doch statt den Platz optimaler zu nutzen, hat der deutsche Befehlston dominiert.

Dabei war die Toilette defekt, eine grosse Behindertentoilette. Dort drin hätten Koffer und Kinderwägen abgestellt werden können. Doch mit Befehlston lösen sich Probleme scheinbar einfacher. Mit dem Fall habe ich mich an die Pressestelle gemeldet, leider ohne Antwort.

Personal ist meistens freundlich

Ich möchte eine Lanze für das Personal brechen. Es verhält sich meistens professionell und freundlich. Und es ist ein schwieriges Unterfangen, überfüllte Züge zu managen, wie das Beispiel einer Quereinsteigerin zeigt:

Ein überfüllter Zug, eine junge Schaffnerin versucht Ordnung zu schaffen. „Wem gehören die Fahrräder, wo steigen sie aus? Das Rad an der Wand zwei Stationen weiter, eine Station weiter nun drei Räder, möchte der erst zur Endstation raus? Könnten Sie bitte die Fahrräder umordnen?“ „Das ist viel zu umständlich. Ich war zuerst da, die andern sind später eingestiegen.“ Oder: „Der Zug hat sonst Verspätung,“ so eine Reisende. „Wir haben sonst später nur Probleme,“ entgegnet die Schaffnerin. 

Mit viel Murren und Geklöne werden die Räder umgestellt, der Zug fährt eine Minute später ab. Sie versucht weiterhin den Eingang freizuhalten, bittet Reisende Taschen von den Plätzen zu nehmen, das Gepäck besser zu verstauen und den Eingangsbereich zu räumen. 

Eine Station später bleibt der Zug stehen. Was ist passiert? Jeder möchte es wissen. Die Schaffnerin erhält einen Anruf, jemand hat die Türöffnung gewaltsam betätigt, diese ist defekt. Das ganze dauert jetzt mindestens 20 Minuten. Eine Durchsage darf Sie nicht machen, ist in der Ausbildung. 

Der Lokführer ist mit Schadensbehebung beschäftigt, defekte Türe später nochmals, „alle Türen testen,“ der Zug ist lang. Einige Reisende gehen nach vorne, was ist da los? Nach 20 Minuten fährt der Zug weiter, der Lokführer macht seine Durchsage, irgendjemand hat anscheinend die Tür gewaltsam entriegelt.

Die junge Schaffnerin ist erschöpft, mindestens 20 Mal wird sie gefragt, warum sie keine Durchsage macht. Ungeduld ist heute ein riesiges Problem, alle haben Apps und finden doch oft keine Antwort. Doch so einfach ist eine Antwort auch nicht immer. Zumindest hätte der Lokführer erklären können; „wir haben ein Problem, haben Sie bitte mindestens 15 Minuten Geduld.“  

Sollten Fahrgastrechte denn so umgesetzt werden?

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Meistens funktioniert die Bahn

Manch laute Schimpftiraden gegen die Bahn bringen nichts, solche sind auch unbegründet. Denn meistens funktioniert die Bahn. Trotz Einsatzbereitschaft zu diesem Thema, fehlt mir die Leidenschaft, mich noch vielseitiger als bisher für verbesserten Bahnservice einzusetzen; beziehungsweise „für Optimierungen Einstehen, ja“, aber ohne meinerseits zunehmend aktiven Kampf darum.

Von relevantem Vorteil wäre es allerdings, die Deutsch Bahn würde einen Schienenersatzverkehr arrangieren. Auch ihre Ansagen sollten nahtlos funktionieren, und hinsichtlich Reklamationen sollte in deren Richtlinien mehr Kulanz eingebunden werden.

Eine Reise vom 5. bis 7. Februar 2024 führte mich nach Kappelrodeck. Bei dieser Gelegenheit schoss ich ein paar Bilder von der Bahn. Züge wie Bahnhöfe sind sauber. „Gute Seelen“ kümmern sich darum. 

Ein Musiker spielt etwas Gitarre am Perron und erleichtert die Zugwartezeiten. Ein und aus laufen die Züge meistens mit fünf Minuten Verspätung, schuldig sind vorausfahrende Züge. Sollte der Begriff Pünktlichkeit umdefiniert werden? Dortzulande schon. 

Musiker Publikum in Offenburg
Musiker und sein Publikum

Meine Fahrten mit dem DeutschlandTicket klappten ausgezeichnet. Ich scheiterte aber am öffentlichen Verkehr in Achern, der für die Stadtbehörden nicht existiert, wie mir Bürger erzählten.
Davon handelt folgender Beitrag;

Zug wartet nicht auf Schienenersatzverkehr

Wer glaubt, dass ein Zug auch nur eine Minute auf den Schienenersatzverkehr warten muss, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Leider erklärte mir ein Mitreisender, dass dem Erstgenannten so sei. Ich konnte es kaum glauben, ja fast eine Stunde musste er auf den nächsten Zug warten, obwohl der Schienenersatzverkehr nur wenige Minuten Verspätung hatte. 

Er konnte seinen Anschluss gerade noch wegfahren sehen. “Haben Sie mal ein Bier? Ich zahle es auch.” „Schon gut,“ entgegne ich. „Hier am Bahnhof gibt’s nichts, keinen Wartesaal, zum Restaurant müsste ich 500 Meter laufen,“ bemerke ich noch. Und so etwas stimmt einfach ärgerlich.

“Wozu gibt es eine Leitstelle?“ Heute wüssten die doch dank GPS genau, wo der Bus steckt. „Aber da müssen plötzlich Fahrpläne eingehalten werden.” „Pünktlichkeit auf der Straße ist schwieriger als auf der Schiene einzuhalten,“ antworte ich ihm. 

Fragen über Fragen – und ein Lösungsansatz

Wie werden die Baustellen eingeplant? Wird dabei überhaupt an die Reisenden gedacht? Zumindest an Personal im ÖV wird gespart. Das Personal hätte und hat womöglich so oder so zu viel Ärger, weil ja jeder weiterkommen möchte.

Wichtig sind gute Schienennetze, doch wurde in den letzten Jahren mehr dezimiert als ausgebaut. Dadurch fehlen Alternativstrecken für Umleitungen. Wer mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, sieht an etlichen Orten Stillstand, verlassene Bahnhöfe, überwuchernde Gleise. Manchmal ist anzunehmen, dass Verantwortliche den Regionalverkehr zu einer Art „Deutsche Bus AG“ verwandeln möchten.   

Der Schaffner lässt die Leute im Regen stehen

Eine Brücke wurde von einem LKW demoliert. Die gesamte Strecke wird gesperrt. „Bitte alle aussteigen!“ Wie der Schienenersatzverkehr ab nun abgewickelt wird ist unbekannt. Nur ein Schaffner ist zu sehen, der aber schweigt. Alle verlassen den Zug, ohne zu wissen wie es weitergeht. Der besagte Bahnschaffner geht zu einem Taxi hin, verschwindet darin und fährt weg.

Ist Vielleicht seine Arbeitszeit zu Ende? Verspürt er vielleicht einfach keine Lust mehr? Zählt sein Verhalten vielleicht zu jenen Instrumenten und Richtlinien, die zur Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit beitragen sollen?

Die Reisenden scheinen ab nun kaum eine Rolle mehr zu spielen. „Die haben ja alle nur das DeutschlandTicket!“ Diese Worte scheinen höhnisch die Luft zu durchdringen. Irgendwann nimmt ein Linienbus alle gestrandeten Fahrgäste auf, und irgendwann erreichen sie ihr Ziel, und irgendwann ändert sich etwas.

Einen Schienenersatzverkehr zu organisieren, sollte immer möglich sein. Dazu müssten externe Busse organisiert werden, aber auch eine Durchsage, etwas Betreuung. Das sollte die Deutsche Bahn mit geringem Aufwand hinbekommen! 

Hier eine Geschichte aus Waldshut:


Unsicherheit mit Schienenersatzverkehr

Von Waldshut möchte ich nach Ulm reisen. Es fährt jedoch kein Zug, und es gibt keinen Hinweis dazu. Vom Busbahnhof aus gibt es einen Schienenersatzverkehr nach Erzingen. Der Schienenersatzverkehr nach Koblenz startet, und kurz darauf fährt der Bus nach Erzingen vor. Obwohl am Perron genügend Platz wäre, müssen alle Busse vorfahren.

Busbahnhof Waldshut, wohin fahren die Busse
Busbahnhof Waldshut

Ein Bus kommt, doch es ist nicht der Schienenersatzverkehr. Mit vier Minuten Verspätung kommt schließlich der richtige Bus, wir steigen ein und erreichen Erzingen ohne Probleme. Ein weiterer Bus fährt hinterher, es hat gut geklappt, aber die Informationsweitergabe könnte stark verbessert werden.

In Singen herrscht Chaos mit Bahnsteigwechseln. Zuerst müssen wir von Gleis 1 auf Gleis 2 wechseln, dann wieder zurück auf Gleis 1. Etwas Bewegung tut gut, aber besser wäre es ohne schweren Koffer. Ein kleiner Exkurs zu den Schaffnern: Sie sind sehr engagiert. Einer von ihnen erwischt Schwarzfahrer. Statt ein Bußgeld zu verhängen, steigt er mit ihnen am Zielbahnhof aus und lässt sie das Ticket am Automaten lösen. Erfahrungsgemäß haben bestimmte Personengruppen jedoch nie Geld. Dennoch gibt es dank des DeutschlandTickets weniger Schwarzfahrer, da sich viele für ihre langen Reisen jetzt doch ein Ticket leisten können.


Unterbrochen in Wüsterwitz – Name ist Programm

Wüsterwitz – die Begebenheit mit Null Organisation beim Schienenersatzverkehr bleibt unvergesslich. Meine Reise begann mit Ungewissheit: Würde der Zug in Magdeburg überhaupt losfahren? Die Anzeigetafel versprach immerhin eine pünktliche Abfahrt Richtung Brandenburg, und damit schien mein Ziel, Potsdam, in greifbarer Nähe. Die Alternative, ein langer Umweg über Stendal brauchte es nicht. Doch wie so oft im Bahnverkehr kam es anders.

In Wüsterwitz war plötzlich Schluss. Der Zug endete. Der Lokführer verweist auf „unregelmäßigen Schienenersatzverkehr“ – was im Klartext bedeutete, dass es schlichtweg keinen gab. Taxis? Fehlanzeige, im Umkreis nur 1 Unternehmen. Die wenigen Reisenden am Bahnsteig standen verloren herum, der Linienbus wäre überfüllt. Drei Busse gibt es am Tag, und der nächste Bus in anderthalb Stunden. Betreuung oder Informationen? Nicht in bei der Deutschen Bahn.

Gerade als Resignation einsetzte, blitzte eine Hoffnung auf. Die Bahn-App meldete, dass der Zug doch wieder fahren würde. Alle strömten zum Gleis 2. Die Anzeigetafel zeigte tatsächlich die richtige Verbindung. Doch zwei Minuten vor der Abfahrt die nächste Überraschung: Gleiswechsel. Jetzt Gleis 1. Der Zug rollte schließlich ein, als wäre nichts gewesen.

Doch eins bleibt: Kaum Informationen. Die Fahrt ging weiter, die Fahrgäste lässt man stranden, kein Personal. Ein Witz der Bahn in Wüsterwitz.

Fahrgastrechte – toll oder?

Während meiner ersten Reise mit dem DeutschlandTicket erlebte ich an vier Tagen hintereinander Verspätungen von jeweils mehr als einer Stunde: In Rosenheim wegen (echtem) Polizeieinsatz, in München wegen Zugausfall, und so ging es munter weiter. Nie eine Information über „wann, wie, wo und was“.

Es gibt ja die Fahrgastrechte: „Eine IC nehmen, um pünktlich anzukommen? Pustekuchen! Und maximal Euro 1,50 pro Reise. Alle Verspätungen zusammengenommen, da liegt Gewisses auf der Hand…“

Daher füllte ich „die Fahrgastrechte“ aus, fünf Euro macht hier der Mindestbetrag aus. Ich füllte vier Anträge für vier verschiedene Fahrten aus und erhielt eine Absage. Daraus war zu entnehmen, dass nur eine meiner Anträge bearbeitet wurde.

Erneut erlebte ich zwei Verspätungen im Januar 2024, wo ich ebenso chancenlos intervenierte. Auf einer meiner vier Ausfahrten im Februar 2024 erlebte ich eine 60-minütige Verspätung und konnte nichts unternehmen.

Was sind das für Fahrgastrechte? Meiner Ansicht nach hinsichtlich des DeutschlandTickets Schikanen. Solche Gegebenheiten zeigen den Stellenwert von Fahrgästen deutlich auf.